Benin: Lehmhütten

Im Gegensatz zu unserer gewohnten Vorstellung von Häusern meint „Haus“ in Afrika den von einer Mauer umgrenzten Raum – einen zivilisierten Ort, der sozusagen aus der umgebenden Wildnis ausgeschnitten ist. Die im Wildniscamp mit Hilfe unserer beninischen Partner aus dem Biosphärenreservat/Nationalpark Pendjari im Norden des Landes aufgebauten Lehmhütten sind ein Beispiel für ein solches afrikanisches Haus. Die "Compounds" – so heißen sie mit Fachbegriff – sind eine lose Anordnung von mehreren kleinen meist annähernd kreisförmigen Hütten um einen zentralen Hof. Oft findet sich hier auch ein Schatten spendender Baum, unter dessen Krone sich in der Regel eine offene "Küche" befindet. Nachts kann sich hier das Vieh aufhalten. Die Hütten sind zum Schutz gegen wilde Tiere und feindliche Angriffe – vor allem aber zur Schaffung von Privatsphäre – durch eine umlaufende Mauer "eingehaust". Sie haben sehr kleine Fenster und rechteckige Eingangstüren, die zwar einen Rahmen, allerdings meistens keine Klinken besitzen.Normalerweise schlafen in einer Hütte eine oder zwei erwachsene Personen oder drei bis vier Kinder in einem großen Bett. Wenn mehr Personen in einer Hütte schlafen sollen, dann auf Matten auf dem Boden. Das für das Dach verwendete Gras wird in kleinen Bündeln zu langen „Ketten“ gebunden, die dann ihrerseits später Schicht um Schicht auf das Gerüst des Daches gebunden werden. Die Hütten werden ohne Zuhilfenahme eines Baugerüstes Schicht um Schicht aufgebaut, jeden Tag ein wenig mehr. Das erfordert allerdings ein sehr trockenes Klima, damit der Lehm auch von einem Tag zum anderen trocknet.Die Hofmauer wird üblicherweise aus getrockneten Lehmsteinen gebaut und dann entweder mit Kuhdung oder mit Zement verputzt. Sie verbindet die Einzelgebäude, die nur vom Hof aus zugänglich sind. Küche, Lager und Schlaf- und Wohnräume bilden jeweils eine kleine Hütte. Die einzelnen Hütten sind wie unsere Zimmer als kammerartiger Individualraum gedacht. Das heißt, diese Wohnform spiegelt die vielfach vernetzte und auch mit zahlreichen Tabus belegte Trennung der Geschlechter und damit den gesellschaftlichen Mikrokosmos wider.
 

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